Ein Regal selber bauen ist eines der dankbarsten Projekte für Heimwerker: gerade Schnitte, überschaubares Material und am Ende ein Möbel, das genau in deine Nische passt. Setzt du es auf Rollen, wird daraus ein mobiles Regal, das du zum Putzen, Umräumen oder Arbeiten einfach verschiebst. In dieser Anleitung baust du Schritt für Schritt ein halbhohes Rollregal aus Holz. Dazu bekommst du Bauplan, Materialliste, die richtige Rollenwahl und Ideen für Varianten vom schmalen Nischenregal bis zum Kellerregal.
Warum ein Regal auf Rollen?
Ein festes Regal bleibt, wo es steht. Ein Regal mit Rollen passt sich dagegen deinem Alltag an:
- Putzen ohne Ausräumen: Du rollst das Regal zur Seite, wischst darunter und schiebst es zurück.
- Flexibel einrichten: Heute ist es Bücherregal, morgen Raumteiler oder Ablage neben dem Schreibtisch.
- Ordnung zum Mitnehmen: In Werkstatt, Garage oder Hobbyraum fährst du Werkzeug und Material direkt an den Arbeitsplatz.
- Rückenschonend: Auch ein voll beladenes Regal bewegst du, ohne es anzuheben.
Wer ein Regal selbst baut, bestimmt außerdem Maße, Holzart und Fachhöhen. Gerade für Nischen, Dachschrägen oder ungewöhnliche Stellflächen gibt es fertig oft nichts Passendes.
Planung: Maße, Holz und Standsicherheit
Bevor du sägst, klärst du drei Fragen: Wo soll das Regal stehen, was kommt hinein und wie oft wird es bewegt? Daraus ergeben sich Maße, Material und die passenden Rollen.
Maße und Fachhöhen

Unser Beispielregal ist 80 cm breit, 40 cm tief und ohne Rollen 110 cm hoch. Es hat drei Fächer mit je gut 34 cm lichter Höhe. Damit passen Ordner, Bücher, Aufbewahrungsboxen und Werkzeugkoffer hinein. Die Maße kannst du frei anpassen, plane die Fächer dabei nach dem Inhalt:
- Taschenbücher: etwa 20 cm Fachhöhe
- Aktenordner: mindestens 33 cm Fachhöhe
- Bildbände und Boxen: 35 cm und mehr
Bei 18 mm starken Platten solltest du freie Spannweiten über etwa 80 cm vermeiden. Sonst biegen sich die Böden unter Büchern mit der Zeit durch. Für breitere Regale nimmst du dickere Platten oder setzt eine Mittelwand ein.
Das richtige Holz für dein Holzregal
Welches Holz du nimmst, hängt vom Einsatzort und von der Last ab. Für ein Holzregal zum Selberbauen haben sich vier Plattenwerkstoffe bewährt:
- Leimholz (Fichte, Kiefer): günstig, leicht und mit schöner Maserung. Ideal für Wohnräume und Kinderzimmer.
- Multiplex (Birke): sehr stabil und schraubfest, auch an den Kanten. Die beste Wahl für schwere Lasten und die Werkstatt, dafür teurer.
- Beschichtete Spanplatte: preiswert und pflegeleicht. Schrauben halten hier schlechter, deshalb immer vorbohren und Spanplattenschrauben verwenden.
- OSB-Platten: robust und günstig, mit rustikaler Optik. Gut für Keller, Garage und Dachboden.
Als Standard reichen 18 mm Plattenstärke. Für stark beladene Werkstattregale greifst du zu 22 oder 27 mm.
Standsicherheit: worauf es bei einem Rollregal ankommt
Ein Regal mit Rollen kannst du nicht an der Wand verschrauben. Seine Stabilität muss es deshalb aus sich selbst heraus bekommen:
- Höhe im Verhältnis zur Tiefe: Unsere Empfehlung: Das Regal sollte samt Rollen höchstens etwa dreimal so hoch sein wie tief. Bei 40 cm Tiefe sind das rund 120 cm. Hohe, schmale Regale gehören nicht auf Rollen.
- Schweres nach unten: Bücher, Werkzeug und Getränkekisten kommen ins unterste Fach. Das senkt den Schwerpunkt.
- Rückwand nicht weglassen: Sie steift den Korpus aus. Ohne Rückwand verzieht sich ein Regal beim Schieben schnell zur Raute und beginnt zu wackeln.
- Feststeller einplanen: Mindestens zwei Rollen mit Bremse sorgen dafür, dass das Regal beim Ein- und Ausräumen nicht wegrollt.
Material- und Werkzeugliste
Die Liste gilt für unser Beispielregal mit 80 x 40 x 110 cm aus 18 mm Leimholz oder Multiplex. Den Zuschnitt lässt du am einfachsten im Baumarkt erledigen, dann sind alle Kanten gerade und rechtwinklig.

Material
- 1 Bodenplatte: 80 x 40 cm
- 2 Seitenteile: 108,2 x 40 cm
- 1 Deckel: 76,4 x 40 cm
- 2 Zwischenböden: 76,4 x 40 cm (mit Bodenträgern 76,2 cm, damit sie sich leichter einsetzen lassen)
- 1 Rückwand aus HDF (3 mm) oder Sperrholz (4 mm): 80 x 110 cm
- 4 Lenkrollen Ø 75 mm mit Anschraubplatte, davon 2 mit Feststeller
- Spanplattenschrauben 4 x 50 mm für den Korpus, etwa 20 Stück
- 16 Schrauben für die Rollen, höchstens 16 mm lang
- Kleine Schrauben oder Nägel für die Rückwand
- Holzleim
- Optional: 8 Bodenträger (5 mm) für verstellbare Zwischenböden
- Hartwachsöl, Lack oder Lasur
Werkzeug

- Akkuschrauber mit Holzbohrer (3 mm zum Vorbohren) und Senker
- Zollstock, Anschlagwinkel und Bleistift
- 2 Schraubzwingen
- Schleifpapier in Körnung 120 und 180 oder ein Schwingschleifer
- Optional: Stichsäge oder Handkreissäge, falls du selbst zuschneidest
- Optional: Bohrschablone für Lochreihen, wenn die Böden verstellbar sein sollen
Regal selber bauen: Anleitung in 7 Schritten
Für den Bau brauchst du etwa einen Nachmittag, dazu die Trocknungszeit für die Oberfläche. Das Prinzip: Die Seitenteile stehen auf der durchgehenden Bodenplatte. So liegt das Gewicht der Seitenwände später direkt über den Rollen.

Schritt 1: Teile prüfen und schleifen
Lege alle Zuschnitte bereit und kontrolliere die Maße. Schleife Flächen und Kanten erst mit Körnung 120, dann mit 180. Brich die Kanten leicht, damit nichts splittert. Markiere an jedem Teil mit Bleistift, wo vorne und oben ist.
Schritt 2: Seitenteile auf die Bodenplatte setzen
Lege die Bodenplatte flach auf den Boden. Stelle die beiden Seitenteile bündig an den Außenkanten darauf und fixiere sie mit Schraubzwingen oder einem Helfer. Bohre von unten durch die Bodenplatte drei Löcher je Seite vor, gib etwas Leim auf die Stirnkante und verschraube alles mit den 50-mm-Schrauben. Die Schraubenköpfe versenkst du, damit später die Rollen plan aufliegen.
Schritt 3: Deckel einsetzen
Setze den Deckel oben bündig zwischen die Seitenteile. Bohre durch die Seitenteile je drei Löcher in die Stirnkanten des Deckels vor, leime und verschraube sie. Prüfe mit dem Anschlagwinkel, ob alle Ecken rechtwinklig sind.
Schritt 4: Zwischenböden montieren
Bei unserem Beispiel liegt die Unterkante des ersten Zwischenbodens 34,3 cm über der Bodenplatte, die des zweiten 70,4 cm. So entstehen drei gleich hohe Fächer. Zwei gleich lange Abstandsklötze helfen, die Böden beim Verschrauben exakt waagerecht zu halten.
Möchtest du die Fachhöhen später ändern, bohrst du stattdessen mit einer Schablone Lochreihen in die Seitenteile und legst die Böden auf Bodenträger. Fest verschraubte Böden machen das Regal allerdings steifer. Für ein Rollregal ist das ein Vorteil.
Schritt 5: Rückwand befestigen
Lege das Regal auf die Vorderseite. Miss beide Diagonalen: Sind sie gleich lang, ist der Korpus rechtwinklig. Erst dann setzt du die Rückwand auf und befestigst sie alle 10 bis 15 cm mit kleinen Schrauben oder Nägeln, auch an den Zwischenböden. Dieser Schritt macht aus dem Korpus ein verwindungssteifes Möbel.
Schritt 6: Oberfläche behandeln
Hartwachsöl betont die Maserung und lässt sich später leicht ausbessern. Lack ist unempfindlicher gegen Flecken und Feuchtigkeit. Für Keller und Garage eignet sich eine Lasur mit Feuchteschutz. Lass alles vollständig trocknen, bevor du weiterarbeitest.
Schritt 7: Rollen montieren

Kippe das Regal auf die Seite oder lege es auf den Rücken, am besten auf eine Decke. Setze die Rollen so nah wie möglich in die Ecken, direkt unter die Seitenwände. Die Anschraubplatte sollte dabei 1 bis 2 cm von der Außenkante entfernt sitzen. Bohre die Löcher vor und verschraube jede Platte mit allen vier Schrauben. Achte darauf, dass die Schrauben nicht länger als die Plattenstärke sind.
Die beiden Rollen mit Feststeller gehören nach vorne auf die Bedienseite. Dort erreichst du die Bremse bequem mit dem Fuß. Regal aufrichten, Feststeller testen, fertig.
Die richtigen Rollen für dein Regal
Die Rollen entscheiden, ob dein Regal leicht läuft, sicher steht und den Boden schont. Vier Punkte solltest du vor dem Kauf klären.
Traglast richtig berechnen
Die Formel für die Mindesttraglast pro Rolle lautet: (Gewicht des Regals + maximale Beladung) geteilt durch (Anzahl der Rollen minus 1). Das minus 1 ist dein Puffer, denn auf unebenem Boden trägt oft eine Rolle kurzzeitig kaum mit.
Ein Beispiel: Unser Regal wiegt je nach Holz rund 20 bis 28 kg. Mit 80 kg Büchern und Ordnern kommst du auf etwa 105 kg. Geteilt durch drei ergibt das 35 kg pro Rolle. Eine Rolle mit 50 kg Traglast hat damit genug Reserve. Wie du bei schweren Lasten genauer rechnest, liest du in unserem Ratgeber Traglast berechnen.
Durchmesser und Bauhöhe
Je größer das Rad, desto leichter rollt das Regal über Fugen, Schwellen und Teppichkanten. Gleichzeitig wird es höher. Diese Werte gelten für unsere Apparaterollen:
- Ø 50 mm: etwa 7 cm Bauhöhe, bis 40 kg je Rolle. Passt für kleine Regale und leichte Beladung.
- Ø 75 mm: etwa 10 cm Bauhöhe, bis 50 kg je Rolle. Der Allrounder für Bücher- und Haushaltsregale.
- Ø 100 mm: etwa 12,5 cm Bauhöhe, bis 60 kg je Rolle. Läuft ruhiger auf Fliesenfugen und in der Werkstatt.
- Ø 125 mm mit Kugellager: etwa 15 bis 16 cm Bauhöhe, bis 110 kg je Rolle. Für schwere Werkstatt- und Kellerregale.
Brauchst du viel Traglast bei wenig Bauhöhe, sind Rollen mit Zwillingsbereifung eine gute Lösung: Die Ø 75 mm Variante trägt 100 kg.
Die passende Lauffläche für deinen Boden
Auf Parkett, Laminat, Vinyl und Fliesen gehören Rollen mit weicher Lauffläche. Sie laufen leise und hinterlassen keine Spuren. Auf Teppich ist es umgekehrt: Eine harte Lauffläche sinkt nicht in den Flor ein und rollt leichter. Passende Modelle findest du bei den Rollen für harte Böden und den Rollen für weiche Böden. Mehr Details zu jedem Bodenbelag stehen in unserem Boden-Guide für Laminat, Parkett und Fliesen.
Lenkrollen, Bockrollen und Feststeller
- 4 Lenkrollen: Das Regal dreht auf der Stelle und rollt in jede Richtung. Ideal für die Wohnung und enge Räume.
- 2 Lenkrollen und 2 Bockrollen: Das Regal läuft spurtreu geradeaus, ähnlich wie ein Einkaufswagen. Sinnvoll für lange Regale, die immer dieselbe Strecke fahren. Die Unterschiede erklärt unser Ratgeber Lenkrolle oder Bockrolle.
- Feststeller: Mindestens zwei Rollen sollten eine Bremse haben. Ein Totalfeststeller blockiert Rad und Drehung gleichzeitig, dann steht das Regal wie ein festes Möbel. Eine Auswahl findest du bei den Rollen mit Bremse.
Befestigung: Anschraubplatte, Rückenloch oder Rohrhülse
Für ein Holzregal ist die Anschraubplatte die einfachste Lösung: vier Schrauben, fertig. Rollen mit Rückenloch befestigst du mit einer einzelnen Schraube, das spart Platz unter schmalen Leisten oder Rahmen. Und hast du ein Metallregal aus Rundrohr, gibt es Rollen mit Rundrohrhülse, die du einfach ins Rohr steckst. Eine Anleitung für alle Befestigungsarten findest du im Beitrag Rollen unter Möbel montieren.
Alle Modelle, die sich für Regale eignen, haben wir in unserer Kategorie Regalrollen zusammengestellt.
Rollregal-Ideen: Varianten zum Nachbauen
Das Grundprinzip aus der Anleitung lässt sich auf viele Projekte übertragen. Hier ein paar Ideen, die sich besonders lohnen.
Kleines Rollregal für die Nische
Zwischen Kühlschrank und Wand oder neben der Waschmaschine bleiben oft nur 15 bis 20 cm Platz. Ein schmales Rollregal mit Griff an der Stirnseite macht daraus wertvollen Stauraum für Flaschen, Gewürze oder Putzmittel. Kleine Apparaterollen mit Ø 25 oder 30 mm halten die Bauhöhe gering und tragen 15 bis 20 kg je Rolle. Wie du einen solchen Nischenwagen baust, zeigt unser Beitrag Küchenwagen auf Rollen bauen.
Regal aus Obst- oder Weinkisten
Holzkisten aus dem Baumarkt oder vom Wochenmarkt verschraubst du zu einem Regal in Wunschform und setzt es auf ein Bodenbrett mit vier Rollen. Das geht schnell, kostet wenig und sieht im Vintage-Look besonders gut aus. Hier reichen Rollen mit Ø 50 mm.
Regal aus Europaletten
Eine hochkant gestellte Europalette wird mit ein paar Brettern zum Pflanzen- oder Schuhregal. Die massiven Klötze der Palette sind ideal, um Rollen anzuschrauben. Passende Sets findest du bei den Rollen für Palettenmöbel, weitere Bauideen in unserem Ratgeber Palettenmöbel selber bauen.
Werkstatt- und Kellerregal für schwere Lasten
Für Garage und Keller baust du das Gestell aus Kanthölzern und legst Böden aus 22 mm OSB ein. Bei schwerer Beladung lohnen sich Rollen mit Ø 100 oder 125 mm und Kugellager. Muss das Regal niedrig bleiben, etwa unter einer Treppe, sind kleine Schwerlastrollen die bessere Wahl: Schon mit Ø 35 mm tragen sie 100 kg je Rolle. Wenn du die Werkstatt gleich komplett ausstatten willst, hilft dir unsere Anleitung Werkbank selber bauen.
Bücherregal als Raumteiler
Ein beidseitig offenes Regal trennt Wohn- und Arbeitsbereich, ohne den Raum dunkler zu machen. Weil hier die Rückwand fehlt, sorgen Diagonalstreben oder Metallwinkel in den Ecken für Stabilität. Mehr Ideen zu mobilen Trennwänden findest du in unserem Beitrag Raumteiler zum Selberbauen.
Was kostet es, ein Regal selber zu bauen?
Die Kosten hängen vor allem vom Holz ab. Für unser Beispielregal kannst du mit diesen Richtwerten planen:
- Platten aus Leimholz Fichte: etwa 60 bis 90 €
- Platten aus Multiplex Birke: etwa 120 bis 180 €
- Rückwand, Schrauben und Leim: etwa 15 bis 20 €
- Vier Rollen: meist unter 25 €
- Öl oder Lack: etwa 10 bis 15 €
Insgesamt liegst du also zwischen rund 100 und 240 €. Ein einfaches Fertigregal ist oft günstiger. Dafür bekommst du beim Selberbauen genau die Maße, die du brauchst, massives Material statt dünner Platten und Rollen, die zu deinem Boden passen. Sparen kannst du mit Reststücken aus dem Baumarkt, gebrauchten Kisten oder Paletten.
Fazit: Dein Regal auf Rollen in wenigen Stunden
Ein Regal selber bauen braucht kein Profiwissen. Mit einer stabilen Bodenplatte, einer festen Rückwand und gut geplanten Fachhöhen entsteht an einem Nachmittag ein Möbel, das jahrelang hält. Die Rollen machen daraus ein mobiles Regal, das sich deinem Alltag anpasst. Entscheidend sind nur drei Dinge: Rechne die Traglast mit Puffer, wähle die Lauffläche passend zum Boden und plane mindestens zwei Rollen mit Feststeller ein. Die passenden Modelle findest du bei unseren Regalrollen.




